Weltrekord im Segeln als Balanceakt
Wenn man heutzutage einen Rekord im Segeln aufstellen will, kommt es vor allem auf das richtige Gleichgewicht an. Ob man strategische Entscheidungen abwägt, die optimale Geschwindigkeit findet, um das Boot so weit oben wie möglich durch das Wasser zu steuern, ohne dass es zerbricht, oder versucht, auf einem Deck, das sich in drei Dimensionen bewegt, die Balance zu halten.
Brian Thompson befand sich an Bord des Trimarans «Banque Populaire V», der gerade den Jules-Verne-Rekord als schnellstes Segelboot um die Welt gebrochen hat. Er unterhält sich mit Yacht Racing Business darüber, warum volle Kraft voraus nicht immer der schnellste Weg ins Ziel ist.
«Ein Rekordversuch wie der Jules-Verne-Rekord ist ein echter Balanceakt. Wir könnten ein Segelboot nicht so um die Erde jagen wie ein Rennauto beim Qualifying.
Ausserdem dreht sich beim Segeln alles darum, das Boot in perfektem Zustand über die Ziellinie zu bringen. Das ist ein bisschen wie bei der Rallye Paris-Dakar – man weiss nicht genau, was auf einen zukommt. Man muss sein Tempo so anpassen, dass man jedes Hindernis sicher überwindet.»
Bei der letzten Reise gab die richtige Geschwindigkeit des Boots den Ausschlag, ob man vorankam oder von hohen Wellen zurückgeschlagen wurde.
«Wenn man vor dem Wind segelt, ist man schneller als die Wellen. Man muss sie überholen. Bei Wellen, die 17-20 Knoten schnell sind, bekommt man Probleme, wenn man versucht, sie mit 40 Knoten zu überholen.
Denn bei 40 Knoten segelt man entweder direkt durch die Welle hindurch oder wird über sie hinweg katapultiert. Da muss man sein Tempo zügeln, damit man die Welle mit der richtigen Geschwindigkeit trifft. Für uns waren das ungefähr 35 Knoten.
Einmal hätte wir es fast nicht geschafft. Wir segelten mit 48 Knoten in ein Wellental hinunter. Als wir die nächste Welle erreichten, drosselten wir in zwei Sekunden auf 28 Knoten. Plötzlich ging gar nichts mehr. Unser Bug stiess direkt in die Welle vor uns und das Boot hatte nicht genug Zeit, um hochzusteigen.»
Auf einem Deck, das sich in drei Dimensionen bewegt, die Balance zu halten, hat mehr mit Surfen zu tun als mit Segeln.
«Das Boot kann sich in fast jede Richtung bewegen. Nach links, nach rechts, nach oben, nach unten – und in einer beliebigen Komination all dieser Richtungen. Das ist nicht wie auf einer grossen Fähre, wo man vorhersagen kann, in welche Richtung sie rollt.
Dabei stehen zu bleiben, ist ein hervorragendes Training für die Körperbeherrschung. Am besten hält man sich einfach irgendwo fest.»
David Fuller arbeitet im Bereich Marketing und lebt in London. Er ist Herausgeber von Yacht Racing Business, einer globalen Nachrichtenquelle für den Segelsport: http://www.yachtracing.biz.
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Brian-Thompson-Foto von B. Stichelbaut