Springender Jaguar
Die Jahre 1922 bis 1932
Zurück zu Geschichte
Druckversion
Swallow-Seitenwagen
Offener Austin Swallow-Tourer
Die Küstenstadt Blackpool im Norden: Hier beginnt die Geschichte von Jaguar. Ein junger, begeisterter Motorradfahrer mit dem Namen Bill Lyons, damals noch nicht einmal 21 Jahre alt, traf dort William Walmsley, der gerade eine ziemlich schicken Seitenwagen baute, den er an überholte Motorräder montierte.  Der junge Lyons zeigte sofort die beiden Wesenszüge, die für die etwa nächsten 50 Jahre seine größten Qualitäten ausmachen sollten. Mit seinem geschäftlicher Scharfsinn und seiner Cleverness erkannte er die gute Gelegenheit, ein Geschäft zu machen, und sein stilsicherer Blick wusste das attraktive Äußere dieser sonst so banalen Vehikel zu würdigen. Er spürte das große Potenzial, sollte es gelingen, die Sache in unternehmerischem Sinne aufzuziehen und die Produktion zu steigern, um das Geschäft auf solide Füße zu stellen.  Sobald William Lyons volljährig war, wurde im September 1922 die Swallow Sidecar Company gegründet. Das Firmenkonto wies ein Minus von 1000 Pfund auf. In bescheiden ein- und zweigeschossigen Gebäuden und mit einer Hand voll Mitarbeiter startete in Blackpool die Fertigung. Ein junger Mann, Arthur Whittaker, wurde als Aufhilfe für den Verkauf eingestellt, erwies sich jedoch besser als Einkäufer. Er blieb dem Unternehmen für etwa 50 Jahre treu und wurde einer der cleversten Einkäufer der Branche.

Die überaus schicken Seitenwagen, bei denen erstmals Aluminium zum Einsatz kam, waren sofort ein "Renner", und die Produktion wurde sehr schnell erweitert.  Dann im Jahr 1927 brachte Herbert Austin seinen Kleinwagen auf den Markt - den berühmten Austin Seven. In der Absicht, Autofahren für die Massen erschwinglich zu machen, war der winzige Seven billig, einfach zu fahren und zuverlässig, aber es fehlte ihm an Individualität.  Lyons sah eine weitere Geschäftside Er entwarf eine schicke Zweisitzer-Karosserie, die auf das Chassis des Austin Seven montiert wurde. Eines der großen Londoner Autohäuser bestellte 500 Stück, und die Produktion lief an.  Es war der Beginn einer langen und fruchtbaren Beziehung zwischen Lyons und Bertie Henly, dem Inhaber von Henlys, eines der führenden Autohäuser des Landes.  Der prächtige, kleine Austin Seven Swallow zum Preis von 175 Pfund bzw. 185 Pfund in der Ausführung mit aufklappbarem Hardtop erwies sich also überaus populär, und das Unternehmen brachte eine Swallow-Karosserie für das Chassis des größeren Morris Cowley auf den Markt. Mit der Einführung des Austin Seven Swallow als Limousine Ende 1927 wurde die Modellpalette bedeutend größer. Bei einem Preis von 187 Pfund und 10 Schilling war die Limousine nicht teuer, sah aber danach aus. In einer Zeit wirtschaftlicher Not mussten viele ihre Erwartungen herunterschrauben. Die Swallows jedoch machten den Schicksalsschlag erträglicher und ermöglichten ihren Besitzern den "Schein zu wahren". Die Autos imitierten den Stil der exotischeren oder luxuriöseren Fahrzeuge der Zeit.  Ausstattungsmerkmale wie die polierte Kühlerverkleidung und das "Ladies Companion Set" ließen die Swallows zu etwas Besonderem werden.  Die Verkaufszahlen für die Autos und Seitenwagen stiegen und stiegen, und man entschied sich in die Midlands umzuziehen - traditionelle Hochburg der britischen Automobilindustrie. So zog das junge Unternehmen mit "Sack und Pack" nach Coventry um.

Im Jahr 1929, anlässlich der jährlichen Londoner Automobilausstellung, wurden erstmals drei neue Swallow-Modelle vorgestellt. Diese basierten auf dem Fiat Tipo 509A, dem Swift Ten und dem Standard Big Nine. Am wichtigsten war der Standard, denn er stand für den Beginn einer Beziehung von ganz besonderer Bedeutung, wie wir noch sehen werden.  Der Standard Swallow war eher eine größere Limousine und wurde für 245 Pfund verkauft. Wieder war die Karosserie extravaganter als bei dem Original und wurde in einer Reihe extrovertierter Farben angeboten.

Im Jahr 1931 erhielt der größere Standard mit 16 PS, einem Sechszylindermotor und dem Enfield-Chassis bei Swallow ein neues Styling. Zum ersten Mal kam das Unternehmen mit einem Motor mit 2054 ccm Hubraum und seitlich angeordneten Ventilen in Berührung. Dieser eignete sich vortrefflich für den nächsten, ehrgeizigen Schritt von Lyons und Walmsley.  In der Zwischenzeit war ein Modell mit mehr sportlichen Ambitionen vorgestellt wurden: die Swallow-Ausführung des Wolseley Hornet. Ursprünglich wurde er nur als Zweisitzer angeboten. Ein Jahr später kam 1931 der Viersitzer auf den Markt, und noch ein Jahr später stand eine Karosserie für das Chassis des noch sportlicheren Hornet Special zur Verfügung.  Swallow bestand nun schon fast zehn Jahre lang, und es war eine aufregende Zeit kontinuierlichen Wachstums und soliden Erfolgs gewesen. Aber der ehrgeizige Lyons war noch lange nicht zufrieden, und es bedurfte eines weiteren kühnen Schritts nach vorne.