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William Lyons war nicht damit zufrieden, weiterhin nur Karosserien für das Fahrgestell anderer Hersteller zu bauen. Er fühlte sich dadurch kreativ eingeschränkt, außerdem war er auf Produkte angewiesen, die eher bedächtig als sportlich waren. Wenn Lyons und Walmsley sich dieser Fesseln entledigen wollten, mussten sie ein eigenes Fahrgestell entwerfen, das ihren Vorstellungen entsprach. Allerdings waren Fehlschläge in der Branche die Regel, so dasss sich Lyons für ein behutsames Vorgehen entschied. Also verpflichtete er die Standard Motor Company für den Bau eines Fahrgestells nach Swallows Plänen, die Motoren sollten allerdings von Standard kommen. In der Zwischenzeit hatte Lyons, der clevere Publizist, alles vorbereitet. "'WARTEN SIE! DER "SS" KOMMT", hieß es in einer Werbung im Juli 1931. "2 neue Coupés von unerreichter Schönheit. "2 neue Coupés von unerreichter Schönheit. SS lautet der neue Name eines neuen Autos, das die Herzen aller Autofahrer und des Handels erobern wird. Es ist vollkommen neu … anders … besser!" Die dermaßen angekündigten Coupés SS I und SS II wurden beim Londoner Automobilsalon 1931 vorgestellt, und eine Sensation waren sie allemal. Die Karosserie war extrem niedrig, die Motorhaube unverschämt lang. Der Wagen sah, so die Presse, nach 1.000 Pfund aus, kostete allerdings nur bescheidene 310 Pfund, was Lyons' einmalige Fähigkeit unterstrich, einen hervorragenden Gegenwert zu liefern.
Lyons war fast besessen davon, seine Autos so niedrig wie möglich zu gestalten. Indem der Motor im Fahrgestell weiter nach hinten gesetzt wurde, als damals gängige Praxis war, und indem die Federn daneben platziert wurden, konnte Lyons das lange, niedrige, sportliche Erscheinungsbild erzielen. Der SS II, der gleichzeitig erschien und unvermeidlicherweise vom SS I in den Schatten gestellt wurde, war einfach eine kleinere Version auf der Grundlage des Fahrgestells Standard Nine. Er nutzte das Scheinwerferlicht, das von seinem auffälligeren und größeren Schwestermodell auf ihn abfiel und errang Beliebtheit sowie gute Verkaufszahlen. Bemerkenswert war, dass er nur 5 Pfund mehr als Standards eigene Version kostete. Kurz nach der Vorstellung der beiden neuen SS-Modelle konnte der mit 2552 cm³ größere Standard-Motor mit 20 PS geordert werden, und 1933 wurde das größere Auto durch mehrere Verbesserungen etwas praktischer gestaltet. Eine Verlängerung des Radstandes um 18 cm und eine Verbreiterung der Spur um fünf ermöglichte die Mitnahme von zwei Mitfahrern im Heck.
Im Juli 1933 gesellte sich der SS I Tourer zum Coupé. Seine Bedeutung lag nicht nur daran, dass er das erste offene SS-Modell war, sondern auch dass er das erste Modell war, das bei einem ernsthaften Wettbewerb antrat. Ein Team aus drei Tourer-Modellen nahm 1933 an der Alpenfahrt auf dem europäischen Festland teil, und im darauf folgenden Jahr wurde der Name SS schlagartig bekannt, als der Mannschaftspreis bei dieser außerordentlich anstrengenden Veranstaltung an Jaguar ging. Der kleine SS II wurde Ende 1933 erheblich verbessert: Er erhielt ein eigens für ihn konstruiertes Fahrgestell, mit dem sich sein Radstand um über 30 cm verlängerte. Gleichzeitig wurden die vorderen Kotflügel umgestaltet und entsprachen nun dem neuen Stil des größeren Modells. Außerdem wurden nach dem Vorbild des SS I für den SS II die Modelle Saloon und Tourer eingeführt. 1934 ergänzte eine neue Limousine die Modellpalette. Das unter dem Namen Four Light Saloon (mit vier Fenstern) angetretene Modell war weniger auffällig als vielmehr praktisch. Zumindest konnten die Mitfahrer im Fonds jetzt aus dem Auto schauen!
William Walmsley, dessen Ehrgeiz nicht dem seines Partners gleichkam und der das Interesse am Unternehmen verlor, verabschiedete sich Ende 1934. Lyons wandte seine Aufmerksamkeit jetzt der Verbesserung der mechanischen Eigenschaften seiner Autos zu. Zuerst wandte er sich an Harry Weslake, einen anerkannten technischen Berater, der sich auf die Konstruktion von Zylinderköpfen spezialisiert hatte. Dann bildete er eine Konstruktionsabteilung und ernannten den jungen William Heynes zum Leitenden Ingenieur. Die nächsten 35 Jahre sollte Heynes eine Hauptrolle im Unternehmen spielen. Das Angebot des Unternehmens wurde 1935 ein weiteres Mal mit dem SS I Airline Saloon erweitert. Sein Design entsprach nicht unbedingt Lyons' Vorlieben, doch war diese Form damals in Mode und verkaufte sich gut. Im März dieses Jahres gesellte sich mit dem SS I Drophead Coupé eine weiteres Modell hinzu. Vom Aussehen ähnelte es dem Coupé, doch das gesamte Verdeck konnte unter eine mit Scharnier versehene Abdeckung auf dem Gepäckraum verstaut werden, was zu einem äußerst attraktiven Erscheinungsbild führte. Weslake und Heynes sollten die Früchte ihrer harten Arbeit bald ernten können, doch zuerst sollte noch ein sehr elegantes Sportauto vorgestellt werden. Es erhielt die Bezeichnung SS 90, und mit dem seitengesteuerten 2,7-Liter-Motor konnten die Fahrleistungen des Wagens seinem dynamischen Aussehen wieder einmal nicht gerecht werden. Doch das sollte sich bald ändern.


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