AUF DER RICHTIGEN SPUR
Keine Trillerpfeife pfeift. Keine Kelle wird hochgehalten. Still und leise verlässt der Jaguar Express fünf Tage die Woche um 05:30 Uhr jeden Morgen sein Sondergleis in Birmingham. In doppelstöckigen Waggons, sicher mit Planen zugedeckt, rollt die kostbare Fracht von 176 brandneuen XJs, XKs und XFs in Richtung englischer Südküste und von dort aus weiter in alle Welt.
Bevor dieser Endbahnhof gegenüber dem Jaguar Montagewerk in Castle Bromwich eröffnet wurde, hätten 22 Tieflader die 176 Autos an den Kai in Southampton transportieren müssen. „Das bedeutete jede Menge Autobahnkilometer, viel teuren Treibstoff und viele Emissionen. Außerdem liegt die Fabrik an einer sehr stark befahrenen Autobahn in England. Die Schiene ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern verbessert auch unsere eigene Effizienz bei der Auslieferung“, sagt Darrell Elliott, Distribution Manager für Jaguar. In den zehn Jahren, seit der Sonderbahnhof 2003 eröffnete, dürfte der Wechsel auf die Schiene die Umwelt um über 75 Millionen LKW-Kilometer erleichtert haben. Rechnet man den Schienen-Versand des X-TYPE von einem ähnlichen Bahnhof des Halewood Werks in Merseyside dazu, kann man von rund 97 Millionen eingesparten LKW-Kilometern ausgehen. „Wir wissen, dass wir durch den Bahntransport unserer Autos einen echten Umweltbeitrag leisten. Derzeit wickeln wir etwa 70 Prozent unserer Transporte über die Bahn ab, und wir hoffen, dass es noch mehr wird“, fügt Darrell hinzu.
Auch aus logistischer Sicht ist das sinnvoll. Wenn der Zug um 05:30 Uhr den Bahnhof verlässt, dann wird er pünktlich um 11:10 Uhr in Southampton eintreffen. Der Zug hält direkt neben den riesigen Autotransportschiffen. So können die Autos noch vor Tagesende vom Zug auf das Schiff umgeladen und auf ihren Weg in die USA, den Mittleren Osten, Japan oder einen anderen der 63 Überseemärkte von Jaguar verschifft werden. Für die Logistik verantwortlich ist Ray Gardner, seines Zeichens Rail Terminal Manager für STVA (UK), das Vertragsunternehmen, das den Endbahnhof in Castle Bromwich für Jaguar betreibt. „Sobald ein Auto die Fabrik verlässt und unseren Sammelpunkt erreicht, wollen wir es innerhalb von 48 Stunden auf der Schiene haben. Meistens schaffen wir es in 24 Stunden“, erklärt er. Ray war selbst am Bau des 12,5 Millionen Euro teuren Endbahnhofs beteiligt, nachdem das Projekt 2002 grünes Licht bekam. Vorher wurde das Gelände gelegentlich als Parkplatz genutzt. Dann wurde es planiert, befestigt und mit einem hohen Zaun und Überwachungskameras versehen. Jetzt können hier über 1.250 Autos abgestellt werden. Um das Zwischenlager an das Bahnnetz anzuschließen, wurde ein neues Gleis zur Hauptstrecke entlang der englischen Westküste gelegt, auf dem zwei bis zu 500 Meter lange Züge mit acht Waggons gleichzeitig nebeneinander beladen werden können.
Die doppelstöckigen Frachtwaggons selbst sind bemerkenswert. Auf Knopfdruck hebt sich das Dach, um das Beladen einfacher zu machen. Jeweils elf Autos passen auf eine Etage. Rund sechs Stunden dauert es, alle acht Waggons zu beladen. Wir schauen staunend zu, wie Cheffahrer David Bird einen brandneuen XF für den US-Markt vorsichtig auf dem unteren Deck parkt. Mit nur einigen Zentimetern Luft auf jeder Seite, erfordert die Aufgabe Fingerspitzengefühl. „Wenn wir mit dem Ladevorgang beginnen, fahren wir die Autos über 500 Meter durch das Innere des Zugs. Das erfordert ein sehr hohes Konzentrationsvermögen“, erklärt David. Für Ray ist eine der größten Herausforderungen, immer zu wissen, welche Autos auf welchen Zug müssen. „Zum Glück haben wir ein System, das jede Bewegung eines Autos, von seinem Parkplatz bei uns über die Verschiffung im Hafen bis zur Ankunft in jedem Land auf der Welt genau festhält“, sagt er.
Diese Reise beginnt an der letzten Station der Montagestrecke mit den ersten anderthalb Kilometern bis zum Verladebahnhof. Ein Strichcode auf der Windschutzscheibe wird eingelesen, wenn das Auto das Werk verlässt, dann wieder, wenn es seinen vorgegebenen Parkplatz erreicht, um den genauen Standort festzuhalten. Ein letztes Mal wird das Auto beim Verladen auf den Zug gescannt. „Dieser Code sagt uns zum Beispiel: Ich bin ein XF SV8 mit US-Ausstattung und muss auf den Zug nach Southampton und von dort weiter nach Kalifornien.“ Jaguar setzt LKWs ein, um die Autos für den heimischen Markt in Großbritannien und in Nordeuropa auszuliefern. Die Neuwagen für die meisten anderen europäischen Länder werden auf der Schiene nach Port Dagenham im Osten Londons gebracht, wo sie auf Schiffe verladen werden. „Wir wissen, dass unsere Bemühungen, mehr Neuwagen mit der Bahn zu transportieren, ein Umweltbeitrag ist“, sagt Darrell. „Wir glauben, das ist der richtige Weg.“
Die Umweltschiene(n)
Länge des Zugs 520 Meter
Anzahl der Waggons 8
Ladekapazität 176 Autos
Transportierte Autos pro Woche 880
Menge der LKW, um 880 Autos zu transportieren 110
Eingesparte LKW-Kilometer im Jahr 4,5 Millionen (Schätzung)