FAHRWERK
Wenn alle Straßen eben wären, bräuchten Autos keine modernen Fahrwerke
Wenn über Autos gesprochen wird, konzentriert man sich häufig auf Pferdestärken, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h oder Höchstgeschwindigkeit. Doch auch das Fahrwerk eines Jaguars ist wichtiger Bestandteil seiner DNA.
Denn es muss einen präzise abgestimmten Kompromiss zwischen der Fahrqualität eines Wagens – seiner Fähigkeit, Fahrbahnunebenheiten auszugleichen – und seinem Handling geben. Bei den modernen Modellen, die Jaguar heute baut, hat die kontinuierliche Weiterentwicklung technisch ausgeklügelter Fahrwerke diesen Kompromiss auf ein Minimum reduziert.
Pete Davis, Leiter der Abteilung Fahrzeugdynamik bei Jaguar, begann 1986 mit der Arbeit an den Fahrwerkssystemen der Marke. Heute kombiniert man subjektives Gefühl und objektive Messergebnisse mit dem Tempo und der Funktionalität von Computer-Aided Engineering (CAE). „Modelle am Computer helfen uns dabei, grundlegende Fehler auszumerzen“, erklärt Davis. „So können wir schnell ein Basis-Szenario erstellen, das fundiert und ausbaufähig ist. Damit bleibt uns mehr Zeit, um unsere menschlichen Fähigkeiten zu nutzen.“
Alle aktuellen Modelle profitieren von einer extrem steifen Karosserie, die präzise Fahrwerkseinstellungen möglich macht. Das Kerndesign eines Jaguar-Fahrwerks – Querlenker vorne und hinten – ist bei allen XF- und XK-Modellen sowie dem neuen XJ zu finden. „Beim XJ haben wir diese Konfiguration zum sechsten Mal abgestimmt“, so Davis. „Wir verstehen, wie die Komponenten miteinander wirken und wie wir sie für jedes Modell anpassen müssen. Das ist eine Entwicklung in vielen kleinen Schritten, die dann als Ganzes einen großen Unterschied machen.“
Durch diesen Prozess wird ein Jaguar erst zu einem Jaguar – ein Lieblingsthema von Mike Cross, Chefingenieur für Fahrzeugintegrität. „Es gibt elementare Werte, die wir für jedes Modell anwenden“, führt er aus. „Man kann wirklich anhand einer Grafik deutlich machen, wie sich ein Jaguar anfühlt.“ Natürlich verändern auch seine physikalischen Eigenschaften die Fahrwerksdynamik eines Jaguars. „Jeder Wagen hat seinen ganz eigenen Charakter, doch die DNA ist bei allen gleich“, erklärt Cross weiter. „Der XK ist das optisch sportlichste Modell, der XJ das komfortabelste und luxuriöseste.“
Und hier wird die traute Dreisamkeit aus CAE, Pete Davis‘ objektiver Analyse und der Entwicklungserfahrung von Mike Cross ausschlaggebend für eine optimale Fahrwerksabstimmung. Ein Großteil ihrer Arbeit dreht sich um Federn und Dämpfer.
Weichere Federn sorgen für eine bequeme Fahrt, allerdings auf Kosten eines guten Handlings. Härtere Federn bieten dagegen ein hervorragendes Handling, aber eine etwas ungemütlichere Fahrt. Ausschlaggebend ist die richtige Balance, was auch von der Rolle des Fahrzeugs abhängig ist. Die Frontfedern des XKR sind zum Beispiel 38 Prozent steifer als beim regulären XK. So wird sowohl die größere Masse des Kompressormotors berücksichtigt als auch die sportliche Ausrichtung des XKR.
Die Dämpfung regelt die kinetische Energie der Federn und minimiert störende Stoßbewegungen bei unebener Fahrbahn. XFR, XKR und neuer XJ sind mit dem Adaptiven Fahrwerk (Adaptive Dynamics) mit elektronischer Dämpfung ausgestattet – ein System, das sich stufenlos anpassen kann und die Karosserie- und Lenkbewegungen des Fahrzeugs 100 Mal pro Sekunde analysiert. Dann wird die Dämpfereinstellung auf Straßenoberfläche und Fahrstil abgestimmt. Das entspräche einer Million verschiedener altmodischer Dämpfer unter der Haube und bedeutet, dass Jaguar-Fahrer jetzt die Einstellung ihres Wagens ganz nach den jeweiligen Bedingungen oder auch nach Lust und Laune verändern können.
Dabei darf die Abteilung Fahrzeugdynamik aber auch die Seele eines jeden Jaguars nie aus den Augen verlieren. „Mit Elektronik können wir das Fahrzeug fähiger machen, aber es muss sich immer noch authentisch anfühlen“, meint Mike Cross. „Ein Jaguar darf nie künstlich wirken. Die richtige Kombination aus Leistung und Komfort zu finden, ist bestimmt nicht einfach, aber genau das macht diese Arbeit so interessant – und so lohnend, wenn man es schafft.“