DIE SIEBEN LE-MANS-SIEGE VON JAGUAR
Jaguar ist die erfolgreichste britische Marke im 24-Stunden-Rennen von Le Mans.
Hier finden Sie einen Nachhall der Aufregung, die von den sieben Siegen des Unternehmens auf der legendären Rennstrecke ausging.
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1951
Fahrer: Peter Walker und Peter Whitehead
Fahrzeug: C-type
Runden: 267
Strecke: 3611km
Durchschnittsgeschwindigkeit:149 km/h
Ein Sieg in Le Mans – dem international bekanntesten aller Autorennen – war für den Gründer von Jaguar, Sir William Lyons, äußerst wichtig, als er die Bekanntheit seiner neuen Wagen steigern wollte. Nach einem vielversprechenden Debüt 1950 mit dem XK 120 (der bis zu einem Kupplungsdefekt die Position des Dritten hielt) entwickelte die neue Rennabteilung von Jaguar einen XK 120C mit einer leichteren Karosserie – den C-Type. Er hatte einen Rahmen aus Stahlrohren und eine aerodynamisch geformte Aluminium-Außenhaut.
Drei Teilnehmer wurden 1951 vom Unternehmen nach Le Mans geschickt, wo sich der C-Type sofort als tonangebend erwies – der Wagen von Stirling Moss und Jack Fairman verbesserte den Rundenrekord um sechs Sekunden. Um Mitternacht waren die Boliden von Moss/Fairman ebenso wie die von Clemente Biondetti und Leslie Johnson wegen Problemen mit dem Öldruck aus dem Wettkampf ausgeschieden. Nur der Wagen von Peter Walker und Peter Whitehead war noch im Rennen. Glücklicherweise hatte das rasante Tempo der „Hasen“ von Jaguar die Konkurrenz bei ihren Aufholversuchen ins Wanken gebracht: Walker und Whitehead konnten ihren 45-minütigen Vorsprung problemlos wahren und fuhren einen erinnerungswürdigen ersten Sieg für Jaguar in Le Mans ein. Es war der erste Wagen, der mehr als 3500 km während des Rennens zurücklegte.
„Während des Trainings beschwerte sich Peter Walker – ein wirklich sehr guter Fahrer –, dass er nicht noch schneller fahren konnte. Er trug eine Brille mit seltsamer Tönung und ich sagte ihm, er solle eine nicht getönte aufsetzen. Er ging wieder raus und brach den Rundenrekord. Zum Ende des Rennens hatten Walker und Whitehead einen Vorsprung von einer Dreiviertelstunde aufgebaut, was ich für völlig ausreichend hielt. Ich hängte das LANGSAM-Schild raus, um den Wagen zu schonen. Allerdings hatte jemand Sir William Lyons eingeflüstert, dass dieser Vorsprung nicht ausreichte. Also wies er mich an, das SCHNELLER-Schild rauszuhängen. Das tat ich – allerdings so, dass Walker es nicht sehen konnte. Natürlich fuhr er mit der gleichen Geschwindigkeit weiter, was Sir William bemerkte. „Sind Sie sicher, dass er es sehen kann, England?“, fragte er mich. „Hängen Sie es besser etwas weiter raus.“ Wir hatten nun eine Situation, wo ich SCHNELLER anzeigte, wenn Sir William hinsah, und LANGSAM, wenn er nicht hinsah. Der arme Walker war ziemlich durcheinander, so dass ich kurz mit Whitehead sprach, bevor er übernahm. Ich gab ihm eine Stoppuhr und sagte ihm, er solle eine gewisse Zeit einhalten und alle Signale ignorieren. Wir hängten immer wieder die SCHNELLER-Schilder raus, aber wie Sir Williams bemerkte: „Das macht keinen großen Unterschied, England.“
Rennmanager Frank „Lofty“ England zu ungewöhnlichen Renntaktiken in Le Mans 1951 -
1953
Fahrer: Tony Rolt und Duncan Hamilton
Fahrzeug: C-type
Runded: 304
Strecke: 4087km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 170km/h
Nach dem ersten Erfolg von Le Mans 1951 konzentrierten sich die Verbesserungen am C-Type für 1952 auf eine bessere Aerodynamik mit einer stromlinienförmigen Karosserie. Dies verursachte jedoch eine Überhitzung des Motors, weshalb alle drei Fahrzeuge das Rennen abrechen mussten. Eine damals revolutionäre Technologie zur Leistungssteigerung waren die innovativen Scheibenbremsen von Jaguar. Obwohl einige Konkurrenten stärkere Motoren hatten, gaben die Scheibenbremsen dem C-Type einen riesigen Vorteil bei der Kurveneinfahrt. Nachdem die alte Karosserie von 1951 wieder auf den C-Type gesetzt worden war, dominierten Duncan Hamilton und der Weltkriegsveteran und Colditz-Ausbrecher Tony Rolt das Rennen und gewannen Le Mans zum ersten Mal in der Geschichte der Veranstaltung mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von über 160 km/h (trotz der gebrochenen Nase von Hamilton – und der zersplitterten Windschutzscheibe des Wagens – nach einem Zusammenstoß mit einem Vogel bei hoher Geschwindigkeit). Es war das erste Mal, dass ein Wagen mehr als 4000 km im Rennen zurückgelegt hatte. Alle drei Werkswagen von Jaguar platzierten sich unter den ersten Vier. Stirling Moss und Peter Walker hatten den zweiten Platz errungen, Peter Whitehead und Ian Stewart den vierten. Der als Privatwagen teilnehmende C-Type der Belgier Roger Laurent und Charles de Tornaco fuhr als Neunter ins Ziel. Das Ergebnis – vor dem Hintergrund des bisher stärksten Fahrerfelds in Le Mans – wurde vom Daily Telegraph als „Großbritanniens größter Motorsporttriumph aller Zeiten“ gefeiert.
„Die Scheibenbremsen gaben uns einen enormen Vorteil gegenüber unseren wichtigsten Konkurrenten, denn wir wussten, dass sie die 24 Stunden aushalten würden, ohne gewartet werden zu müssen. Am Ende der Mulsanne-Geraden konnten wir Jaguar-Fahrer die Geschwindigkeit der Wagen innerhalb von knapp 270 Metern von 240 km/h auf 50 km/h drosseln.“
Duncan Hamilton, Sieger von 1953, über die Bedeutung der Scheibenbremsen des C-Type
„Wir wussten, dass Autorennen die beste Werbung waren. Wenn man in einem Jaguar saß, wurde man gefragt: „Was ist das?“ Aber sobald wir Le Mans gewonnen hatten, wussten die Leute sofort, was ein Jaguar war. Mit diesem Sieg gewannen wir an Präsenz. Und der Sieg in Le Mans kostete nicht viel. Es würde mich wundern, wenn er mehr als 15.000 Pfund gekostet hätte. Aber er war extrem wichtig, da er unseren Absatz in Amerika entscheidend gesteigert hat.“
Rennmanager Frank „Lofty“ England zu den Vorteilen der ersten Siege in Le Mans
„Es war mein stolzester Augenblick, als mein Jaguar zum ersten Mal das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann – der erste Sieg eines britischen Wagens seit den Jungs von Bentley. Ein Hersteller muss daran denken, dass die Rennteilnahme dem Unternehmen nützen soll. Aber diese Einstellung kann die Freude trüben. Ich muss jedoch sagen, dass ich durchaus Freude am Rennsport habe, selbst wenn sie ein Stück durch die Sorge beeinträchtigt wird, die man nun einmal bei einem wichtigen Rennen spürt, das man gewinnen möchte. Von einem der Zeitnehmer in der Box zu hören, dass Soundso, der gerade in Führung ist, überfällig ist, lässt sich eigentlich nur mit einem schrecklichen Albtraum vergleichen.“
Jaguar-Gründer Sir Williams Lyons über den Nervenkitzel des Rennsports. -
1955
Fahrer: Mike Hawthorn und Ivor Bueb
Fahrzeug: D-type
Runden: 307
Strecke: 4136 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 172 km/h
Für 1954 wurde ein vollkommen neuer Jaguar, der D-Type, produziert, bei dem die selbsttragende Konstruktion durch ein leichteres und steiferes Monocoque-Konzept ersetzt wurde. Ein schnittiges Profil (das durch Drehen des markanten vertikalen Lufteinlasses von Jaguar in die Horizontale noch stromlinienförmiger wurde) verbesserte gegenüber dem C-Type die Geschwindigkeit des Wagens auf der Geraden, aber auch das Kurvenverhalten. Trotz Kraftstoffproblemen bei allen drei Werkswagen stellte der D-Type bei seinem Debüt 1954 gleich seine Geschwindigkeit unter Beweis: Tony Rolt und Duncan Hamilton verpassten den Sieg nur um 105 Sekunden (in Le Mans ist das nur ein kurzer Augenblick). 1955 war er der Wagen, an dem sich die Konkurrenz messen musste: Mike Hawthorn stellte einen neuen Rundenrekord von 196,93 km/h auf, als er mit Ivor Bueb seinen Sieg einfuhr. Es war jedoch ein Sieg mit traurigem Beigeschmack. Neben dem tragischen Unfall eines Wagens eines anderen Herstellers auf der Boxengeraden, bei dem 80 Zuschauer ums Leben kamen, hatte die Familie Jaguar ihren eigenen Grund zur Trauer: John Lyons, der 25-jährige Sohn des Gründers Sir William, war auf dem Weg zur Rennstrecke bei einem Autounfall gestorben. -
1956
Fahrer: Ron Flockhart and Ninian Sanderson
Fahrzeug: D-type
Runden: 300
Strecke: 4034 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 167 km/h
Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1956 war der letzte offizielle Auftritt eines Jaguar-Teams in La Sarthe (zumindest für eine Weile), aber es gab bereits eine Reihe von Privatteams, die beim Langstreckenrennen in die Fußstapfen von Jaguar treten wollten. Eines der bekanntesten unter ihnen war Ecurie Ecosse, das vom schottischen Geschäftsmann David Murray gegründet worden war. Die Wagen des Teams waren in Anlehnung an die schottische Fahne in Metallic-Blau lackiert. Am Start schieden zwei der drei D-Type des Werksteams aufgrund eines Unfalls an den S-Kurven aus, während der dritte Wagen später Probleme mit der Kraftstoffeinspritzung bekam und so nur den sechsten Platz erreichte. Ecurie-Ecosse-Fahrer Ninian Sanderson und Ron Flockhart sprangen ein und gewannen mit nur einer Runde Vorsprung. Am 13. Oktober 1956 gab Jaguar seinen Rückzug aus dem Motorsport bekannt, um sich auf die internationale Ausweitung seines Straßenwagengeschäfts zu konzentrieren. Le Mans war gut zu Jaguar gewesen, aber es stand noch ein weiterer Sieg für den D-Type aus ... -
1957
Fahrer: Ron Flockhart and Ivor Bueb
Fahrzeug: D-type
Runden: 327
Strecke: 4396 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 183 km/h
Da für 1958 in Le Mans die Einführung einer neuen Begrenzung auf Drei-Liter-Motoren bevorstand, war das Rennen von 1957 das letzte Heldenstück für viele klassische Sportwagendesigns der Nachkriegszeit, einschließlich des Jaguar D-Type. Die Wagen von Ecurie Ecosse mit den Fahrern Ron Flockhart/Ivor Bueb und Ninian Sanderson/John Lawrence belegten unvergesslich den 1. und 2. Platz, während der D-Type des französischen Teams Los Amigos mit Jean Lucas/Jean-Marie Brousselet sowie der belgische Wagen von Paul Frere und Freddy Rousselle den Triumph auf den ersten vier Plätzen komplettierten. Der ehemalige Werksfahrer und Sieger von 1953, Duncan Hamilton, rundete den Erfolg mit einem weiteren privat antretenden Wagen auf Platz sechs ab. Es ist immer noch die beste Leistung aller Zeiten in der Geschichte von Le Mans: fünf Wagen am Start, fünf Wagen im Ziel, und zwar in erster, zweiter, dritter, vierter und sechster Position. -
1988
Fahrer: Jan Lammers, Johnny Dumfries and Andy Wallace
Fahrzeug: TWR Jaguar Sport XJR-9LM
Runden: 394
Strecke: 5331 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 222 km/h
Obwohl der Jaguar E-Type ein Kultwagen der 1960er war und mit Erfolg in Rennen angetreten ist, schaffte er es in Le Mans nie aufs Podium. Ein neuer XJ 13 mit V12-Motor wurde unter strenger Geheimhaltung entwickelt, gebaut und getestet. Er erreichte 1967 auf der MIRA-Teststrecke in Großbritannien eine Rekordgeschwindigkeit von 260 km/h (die erst 1998 überboten wurde), trat jedoch niemals bei Rennen an. Erst mit dem Sieg des Jaguar XJS bei der europäischen Touring-Meisterschaft 1984 kehrte Jaguar zum Rennsport zurück. 1987 dominierte der XJR-6 mit V12-Motor die Sportwagen-Weltmeisterschaft (WSC) und fuhr in Le Mans als Fünfter ins Ziel. Der brandneue XJR-9 wurde 1988 mit einem Aerodynamikpaket für geringen Luftwiderstand versehen und (mit der Bezeichnung „LM“) eigens für die langen Geraden in Le Mans gebaut. Ein großes Team aus fünf Wagen wurde zusammengestellt, aber es war der Jaguar mit dem Spitzenteam Jan Lammers, Johnny Dumfries und Andy Wallace, der knapp vor dem Porsche 962C über die Ziellinie fuhr – das erste Mal seit 1980, dass die deutsche Marke in Le Mans geschlagen wurde. Ein weiterer XJR-9 wurde Vierter. Der Wagen gewann außerdem einen zweiten WSC-Titel für Jaguar, was mit einer Parade in den Straßen von Coventry gefeiert wurde.
„Die Mulsanne-Gerade ... ist eine öffentliche Straße, eine Route Nationale, komplett mit Bäumen, Cafés, Häusern, Telefonmasten und allem Drum und Dran. Lastwagen fahren auf ihr und hinterlassen Spurrillen. Und da brettern wir über eine Minute lang mit Vollgas mit 320 km/h darüber. Es hat mir eine riesige Angst eingejagt. Und dann kommt der Mulsanne-Knick. Es ist kein Knick, es ist eine verdammte Kurve. Aber irgendwie fühlten sich die Le-Mans-Wagen von Jaguar da völlig zu Hause. Es war wie Fahrradfahren. Wenn man es einmal gemacht hat, scheint es anschließend ganz einfach.“
Martin Brundle über seine ersten Eindrücke von Le Mans mit Jaguar 1987
„Der Wagen hatte so ein gutes Handling. Weil das Fahrwerk so gut eingestellt war, konnten wir wesentlich kleinere Spoiler verwenden als die anderen Autos, so dass wir praktisch flogen. Wir erreichten etwa 390 km/h auf der Mulsanne-Geraden.“
Sieger von 1988, Jan Lammers, über seine Sicht vom Fahrersitz
„Die Porsche-Kurven [eine Reihe von Kurven am Ende der Le-Mans-Rennstrecke] waren zu dieser Zeit eine wahre Offenbarung. Das ist einer der besten Abschnitte auf der Strecke und ich konnte kaum glauben, wie gut ihn der Jaguar meisterte. Beim Einfahren in die Rechtskurve muss man ein oder zwei Gänge runterschalten, ein bisschen auf die Bremse tippen und dann bis zur nächsten Linkskurve richtig Gas geben. Im Jaguar bleibt man einfach auf dem Gaspedal.“
Andy Wallace, der Sieger von 1988, über die Schwierigkeiten der der Porsche-Kurven bei Hochgeschwindigkeit -
1990
Fahrer: John Nielsen, Price Cobb and Martin Brundle
Fahrzeug: TWR Jaguar Sport XJR-12LM
Runden: 359 Distance: 3034 miles (4882km)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 127mph (204kph)
Die neuen Schikanen auf der Mulsanne-Geraden haben 1991 vielleicht den Charakter von Le Mans geändert, aber die Strecke war immer noch dafür bekannt, dass rohe Kraft und Geschwindigkeit auf den Geraden entscheidend waren. Der XJR-10 mit V6-Turbomotor und der XJR-11 wurden zwar auf konventionelleren Strecken in der Sportwagen-Weltmeisterschaft (WSC) und der IMSA-Serie eingesetzt, doch den JR-12 mit V12-Motor hielt man für Le Mans zurück. Das TWR Jaguar Sport-Team erreichte einen unvergesslichen Doppelsieg, wobei der Wagen von Jan Lammers, Andy Wallace und Franz Konrad nur knapp den Sieg verfehlte. Dies war dann auch der letzte Triumph für Jaguar beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans – die XJR-12 vom TWR-Team gewannen 1991 einen dritten WSC-Titel für die Marke und eine denkwürdige Platzierung als Zweiter, Dritter und Vierter in Le Mans im selben Jahr, aber das Ende der Gruppe-C-Regeln bedeutete, dass Jaguar zum letzten Mal um den Gesamtsieg gekämpft hatte.
„Nachts brauchst du fünf Runden, bevor sich deine Geschwindigkeit einpendelt. Le Mans ist draußen auf dem Land und nicht besonders gut beleuchtet. Ein weiteres Problem sind die Blitzlichter der Fotografen, insbesondere wenn man die Boxen verlässt. Innerhalb einer Minute fährt man weit über 320 km/h. Wenn man müde ist und dann auch noch von Blitzlichtern geblendet wird, hat man schlechte Karten. Man muss also höllisch aufpassen. Ich denke, es ist unfair, wenn man behauptet, dass Sportwagenrennen nur eine Meisterschaft mit einem Rennen sind, was manche Journalisten glauben. Denn es besteht kein Zweifel, dass Le Mans – zusammen mit dem Indianapolis 500 und dem Großen Preis von Monaco – wirklich eines der ganz großen Events ist.“
Der Sieger von 1990, Martin Brundle, zum nächtlichen Renngeschehen in Le Mans